Ihre Erkenntnisse aus Wissenschaft und Umwelt entfalten in der Büroschublade wenig Wirkung und gehören in die Öffentlichkeit. Aber Sie sind eigentlich kein Schreiberling? Oder Ihnen fehlt das Know-How populäre Texte zu verfassen?  Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Einstieg für Ihre Presse- und Medientexte.

Teilen Sie uns im unteren Kommentarfeld gerne Ihre Erfahrungen und Anregungen mit! Vielleicht gibt es basierend auf Ihren Bedürfnissen dann künftig auch ein „großes ABC einer erfolgreichen Pressemitteilung“.

Generell gilt

Wer seinen Pressetext erfolgreich platzieren will, sollte sich an bestimmte Maßgaben halten. Auf einige zentrale Kriterien gehen wir in den nächsten Absätzen ein. Grundsätzlich sollte Ihre Meldung einen Nachrichtenwert haben. Das heißt: eine neue, gesellschaftlich relevante Erkenntnis beinhalten oder zumindest einen aktuellen Bezug herstellen. Sie können also auch mal nicht ganz neue Fakten (z. B. zum Thema Klimawandel) präsentieren, sofern Sie Ihre Berichterstattung an aktuelle Ereignisse (z.B.Wetter) oder regionale Aktionen (z.B. ein spannendes Schülerprojekt) anknüpfen.

Die richtige Länge

Der Platz in Zeitungen ist begrenzt und auch Online-Medien sind keine Fans von endlosen „Monstertexten“. Eine klassische Pressemitteilung kommt mit einer Seite Textlänge (DinA4) aus, danach folgt ein sogenannter Abbinder (mehr dazu im Abschnitt „Der formale Aufbau“). Eine Richtschnur in Zeichenzahlen sind 2500 Zeichen inklusive Leerzeichen.

Das Wichtigste zuerst!

Zeitungsredaktionen kürzen Texte von hinten nach vorne. Das heißt für Sie: Das Wichtigste nennen Sie zuerst. Nicht unbedingt notwendige Informationen bringen Sie am Ende des Textes. Der erste Absatz Ihrer Pressemitteilung (Teaser) ist eine Zusammenfassung Ihrer Nachricht und kann im Zweifel alleine, ohne die folgenden Abschnitte, stehen.

Muster Pressemitteilung

Hier können Sie sich ein Muster für eine Pressemitteilung herunterladen. In den Kommentarfeldern finden Sie den Verweis auf die Elemente, die im nächsten Abschnitt „Der formelle Aufbau“ dargestellt sind.

Der formale Aufbau

Als Ergänzung zu diesen Erklärungen können Sie sich die o.g. Musterpressemitteilung herunterladen.

Ort & Datum

Kann einfach klassisch oben links über dem Text platziert werden.

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Überschrift

Bedenken Sie: Der erste Eindruck zählt. Beiträge mit langweiligen Überschriften werden nicht gelesen. Finden Sie eine knackige Überschrift mit „Hinguckerpotential“ und einer Länge von maximal einer Zeile.

Unterüberschrift (optional)

Eine Unterschrift kann sinnvoll sein, um eine knackige Überschrift nochmal näher zu erläutern. Spätestens nach der Unterüberschrift sollte klar sein, um welches Thema es in dem Beitrag geht.

Teaser (Erster Absatz)

Der Teaser fasst die wichtigsten Nachrichten Ihrer Pressemitteilung in maximal fünf Zeilen zusammen. Er sollte als kurze Nachricht alleine für sich stehen können. Der Teaser wird fett formatiert.

Zweiter Absatz

Dieser Absatz macht Lust auf Weiterlesen. Emotionale oder aktuelle Aufhänger als Einstieg zum Text halten die Neugier lebendig.

Weitere Absätze

Es hängt von Ihrem Thema ab, wieviele weitere Absätze sinnvoll sind. Mehrere kurze Absätze sind besser erfassbar als wenige lange. Bei Texten mit vielen Absätzen bietet es sich an, diese durch Zwischenüberschriften zu unterteilen.

Schluss

Der Schluss rundet den Pressetext ab. Oft steht hier eine logische Schlussfolgerung oder ein „Call to Action“. Schön ist ein Bezug zum emotionalen Aufmacher  vom Anfang. Dann findet Ihr Beitrag auch auf dieser Ebene ein gelungenes Ende.

Bilder

Journalisten, egal ob im Print- oder Onlinebereich, brauchen Bilder! Liefern Sie aussagekräftiges Bildmaterial gleich mit (selbstverständlich müssen Sie dafür die entsprechenden Veröffentlichungsrechte besitzen), erhöhen Sie Ihre Chancen auf Verwendung in den Medien enorm. Auch die Sichtbarkeit Ihres Beitrags im finalen Medium erhöhen Sie durch Bilder erheblich. Die Fotos sollten Sie zum einen in printbarer Auflösung anhängen. Zusätzlich empfehlen wir eine Übersicht über die angehängten Bilder direkt unter die Pressemitteilung anzufügen. Das erleichtert die Übersicht für die Redaktion. Zudem können hier weitere Informationen zum Bild (z.B. Bildunterschrift, Fotograf) gleich mit angegeben werden.

Abbinder

Im Abbinder bringen Sie alle weiteren Informationen unter, die für Journalisten interessant sein können, die aber im Pressetext nichts zu suchen haben. Dazu gehören beispielsweise:

  • Name und Anschrift Ihrer Organisation
  • Ggf. kurzer Erklärungstext (Dreizeiler) zu Ihrer Organisation
  • Ansprechpartner mit Kontaktdaten Ihrer Organisation für die Presse
  • Ggf. Quellen auf die Sie sich im Text beziehen
  • Ggf. weiterführende Literatur
  • Ggf. weiterführende relevante Informationen zum Thema

Die Sprache

Gut gemachte Texte sind nicht nur ein wichtiges Auswahlkriterium für Redaktionen. Ein ansprechender Schreibstil erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Formulierungen verstanden und ohne wesentliche Änderungen übernommen werden. Ein bisschen journalistisches Handwerkszeug kann also den in der Fachwelt bemängelten „Falschdarstellungen“ in der Presse entgegenwirken. Hier ein paar Anregungen.

Aktive Sprache

Wir alle können Texte besser erfassen, wenn sie bei uns eine Art Film im Kopf auslösen. Dies gelingt mit einer sogenannten aktiven Sprache. Viele wissenschaftliche oder bürokratische Schriftwerke sind in passiver Sprache verfasst. Sie erkennen diese z. B. daran, dass sie vor Konstruktionen mit Hauptwörtern strotzen. Die gute Nachricht: Sie können Passives einfach aktiv umformulieren.

(Anmerkung der Redaktion: Auch wir haben den letzten Satz noch einmal umformuliert. Vorher stand dort “ Die gute Nachricht: Sie können einfach umformuliert werden.“ Aber das ist passive Sprache :-))

Beispiel

Passiv: „Bei dem wissenschaftlichen Vorhaben wurden verschiedene Modelle zur Anwendung gebracht.“

Aktiv: „ Die Wissenschaftler wandten verschiedene Modelle an.“

Passiv: „Unter Weglassung der Medikamente, konnte bei einigen Erkrankten sogar erhebliche gesundheitliche Verbesserungen verzeichnet werden.

Aktiv: „Ohne die Medikamente ging es einigen Erkrankten sogar besser.“

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Kurze Sätze

Sätze mit 15-20 Wörtern sind eingängig. Schießen Ihre Satzkonstruktionen darüber hinaus, können Sie diese geflissentlich auf mehrere Sätze aufteilen.

Beispiel

„Bereits 1972 stellte die Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen in Stockholm fest, dass zur Lösung der Schlüsselprobleme, mit denen die Menschheit auf der Erde in den nächsten Jahrzehnten konfrontiert sein wird, wesentliche Beiträge aus Wissenschaft und Technik unabdingbar sind (…).“
(G. Brasseur, D. Jacob, S. Schuck-Zöller (Hrsg.) 2017.  Klimawandel in Deutschland. Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. Springer Spektrum, S.2)

Änderungsmöglichkeit:

„Wissenschaft und Technik sind unabdingbar für die Lösung von Schlüsselproblemen, mit denen die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten konfrontiert sein wird. Das stellte bereits im Jahr 1972 die Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen in Stockholm fest. (…)“

Einfache Wörter

Verzichten Sie auf Fachchinesisch und finden Sie Wörter, die allgemein verstanden werden. Sollte ein Fachwort einmal unvermeidlich sein, sollte es sofort erklärt werden.

Beispiel

„aquatil“

Änderungsmöglichkeit:

„im Wasser lebend“

Wortwiederholungen vermeiden

Texte, welche immer die gleichen Wörter beinhalten ermüden uns. Versuchen Sie Synonyme zu finden!

Beispiel

Hier taucht in jedem Satz das Wort „Axolotl“ auf:

„Der Axolotl ist ein im Wasser lebender mexikanischer Schwanzlurch aus der Familie der Querzahnmolche. Natürlicherweise tritt der Axelotl nur als Dauerlarve auf. Die Bezeichnung „Axelotl“ stammt aus der aztekischen Sprache und bedeutet etwa „Wassermonster“. Alexander von Humboldt brachte im Jahre 1804 erstmals Axolotl nach Europa.“

Änderungsmöglichkeit:

„Der Axolotl ist ein im Wasser lebender mexikanischer Schwanzlurch. Dieser Familienangehörige der Querzahnmolche tritt nur als Dauerlarve auf. Die Bezeichnung des Tiers stammt aus der aztekischen Sprache und bedeutet etwa „Wassermonster“. Alexander von Humboldt brachte im Jahre 1804 einige Exemplare erstmals nach Europa.

Füllwörter streichen

Viele Texte enthalten unnötigen „Ballast“ in Form von Füllwörtern. Oft entbehrliche Wörter sind beispielsweise diese hier. Testen Sie selbst, ob die Beispielsätze ohne das Füllwort an Bedeutung verlieren!

Beispiel

„sehr“
Beispiel: „Das ist eine sehr richtige Feststellung.“

„durchaus“
Beispiel: „Das ist durchaus richtig.“

„ja“
Beispiel: „Das Problem kennen wir ja alle.“

„halt“
Beispiel: „ Das Angebot war halt unwiderstehlich.“

„ganz“
Beispiel: „Und dann wurde es plötzlich ganz dunkel“.

„irgendwie“
Beispiel: „Die Stimmung war irgendwie angespannt.“

„wirklich“
Beispiel: „Der Tag der offenen Tür war wirklich ein Erfolg!“

„eindeutig“
Beispiel: „Das war eindeutig zu viel.“

„hier“
Beispiel: „Müssen wir hier in Deutschland reagieren?“

Versand

Ihren Pressetext verschicken per E-Mail im Format Word. So können die Redaktionen Ihre Zeilen am einfachsten bearbeiten und kopieren.

Wir gehen davon aus, dass Sie oder die PR-Verantwortlichen Ihrer Institution bereits über einen funktionierenden Presseverteiler verfügen. Wenn nicht, lohnt es sich vor dem Versand telefonisch mit den Readktionen zu klären, ob das Thema interessant sein könnte, welche Kontaktadresse die richtige  ist und welche Vorlaufzeiten benötigt werden.

Ein möglicher E-Mail Text  zu Ihrer Pressemitteilung könnte wie folgt aussehen:

Beispiel

Betreff: Pressemitteilung: Gemeinsam jodeln macht schön.

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei übersendet Ihnen das Quatsch-Institut für gute Beispiele (QIB) folgende Pressemitteilung:

Gemeinsam jodeln macht schön.
Prof. Dr. Klug forscht zum Thema Wellnessjodeln und wird dafür mit dem Max-Mustermann-Preis ausgezeichnet

Ebenso im Anhang finden Sie Bildmaterial zu Ihrer Verwendung. Der Fotograf ist Boris Blitzefein.
Auf Wunsch können wir Ihnen die Fotos auch in größerer Auflösung zukommen lassen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an Karla Kolumna (E-Mail: kolumna@qib.de, Tel: 0511- 0815).

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Karamba

(QIB, Presse-und Öfentlichkeitsarbeit)

Wir unterstützen Sie gern!

Für Ihre Pressearbeit wünschen wir Ihnen alles Gute. Sollten Sie Unterstützung gebrauchen können, kontaktieren Sie uns. Wir helfen Ihnen gerne bei der Entwicklung Ihrer Texte.

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